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Sommergrüne Laub- und Mischlaubwälder


Sommergrüne Laub- und Mischlaubwälder sind im größten Teil Europas, in Ostasien und im Nordosten Amerikas verbreitet. Die heutigen europäischen Wälder entsprechen nur in Ausnahmen dem Urzustand, in der Regel sind es Wirtschaftswälder mit gegenüber einst verringerter Artenzahl und einem erhöhten Nadelwaldanteil. In Europa kommt echter Urwald nur noch in der Nähe von Bialowieza an der polnisch-sowjetischen Grenze vor. Im Vergleich zu den tropischen Regenwäldern sind sommergrüne Laub- und Mischlaubwälder extrem artenarm. Die geringe Artenzahl in Europa und Nordamerika wurde durch die letzte Eiszeit verursacht. In Ostasien, das von Eiszeiten verschont blieb, sind die Wälder wesentlich artenreicher, und selbst bei einem Vergleich von Europa und Nordamerika schneidet letzteres weit günstiger ab, weil dort die Gebirgszüge in Nord-Süd-Richtung verlaufen und einer Neubesiedlung vom Süden her kein Hindernis in den Weg legten, wie beispielsweise die Alpen in Europa.

In Westeuropa sind 51 Baumarten (darunter drei Quercus-Arten) gezählt worden, in Nordamerika 800 Arten (darunter 70 Quercus-Arten). Eine Etagierung ist im Urzustand der Wälder deutlich ausgeprägt, in Wirtschaftswäldern ist sie weitgehend unterbunden. Unter den Holzpflanzen setzen sich solche Arten durch, die

am höchsten werden,
eine große Lebensdauer erreichen
stark schattierendes Blattwerk ausbilden,
sich gut verjüngen
in der Jugend Schatten zu ertragen vermögen und
bei ausreichender Lichtmenge rasch und umgehend emporschießen

(nach H. ELLENBERG, 1968).

Am besten erfüllt in Mitteleuropa die Rotbuche (Fagus sylvatica) diese Bedingungen. Für die Pflanzen im Inneren eines sommergrünen Laubwaldes wären folgende Kriterien zu nennen:

Sie müssen sich zu Beginn einer Saison rasch entfalten können (z.B. Anemone nemorosa u.a.) oder den Winter immergrün überstehen (Beispiel: Ilex aquifolium),
gegen Spätfröste unempfindlich sein,
bis zu Beginn der Vollbelaubung ihren Entwicklungszyklus abschließen oder mit dem den Boden des Sommerwaldes erreichenden Licht auskommen und
im übrigen alle die für Holzpflanzen genannten Eigenschaften haben.

Wie bereits erwähnt, kommen Laubwälder auf nährstoffreichen, aber nicht zu trockenen oder zu feuchten Böden vor. Während der nacheiszeitlichen Periode bestand die Vegetation Mitteleuropas aus einem Mosaik aus Buchen-, Eichen- und Auwäldern sowie Mooren.

Der herbstliche Laubfall, ein charakteristisches Merkmal der Laubbäume, dient vornehmlich dem Schutz vor Austrocknung. Die Mehrzahl der laubwerfenden Bäume wird windbestäubt. Der Pollenflug erfolgt noch vor der Belaubung, wodurch hohe Pollenverluste vermieden werden. Zugleich ist Windbestäubung mit relativer Artenarmut bei hohen Populationsdichten verknüpft. Alle Laubbäume benötigen zumindest vier, besser fünf bis sechs Monate Temperaturen über 10°C, und die Kälteperiode darf nicht länger als drei bis vier Monate andauern. Die nördliche Verbreitungsgrenze (und die Baumgrenze in Gebirgen) ist damit vorgezeichnet. Entscheidend ist dabei die Tatsache, daß Laubbaumknospen weniger frostresistent als die der Nadelbäume sind.

In mitteleuropäischen Buchenwäldern sind 200 Samenpflanzenarten (einschließlich der krautigen) nachgewiesen worden. Hinzu kommen 15 Farn-, 190 Moos- und 160 Algenarten. Ferner gibt es 3000 Pilz-, 50 Myxomyceten-, 280 Flechten- und 130 Bakterienarten. Die Zahl der Tierarten beträgt 7000. Alles zusammen entspricht etwa 20 Prozent der gesamten terrestrischen Flora und Fauna dieser Breiten.


© Peter v. Sengbusch - b-online@botanik.uni-hamburg.de