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Dipsacales


Die Dipsacales haben, wie die Rubiales und die Campanulales, mehr oder weniger radiäre Blüten und einen ganz oder nahezu ganz unterständigen Fruchtknoten, der aus zwei, seltener aus fünf Karpellen besteht. Im Gegensatz zu den Campanulales sind die Einzelblüten oft klein und unscheinbar, aber zu umfangreichen Infloreszenzen vereint, die als solche deutlich in Erscheinung treten. Die köpfchenförmigen Blütenstände der Dipsacaceae täuschen, ähnlich wie die der Asterales (Compositae), Einzelblüten vor.

Die Dipsacales (1000 Arten) können in sieben Familien untergliedert werden. Die Caprifoliaceae mit 400 Arten, Valerianaceae mit 300 Arten und die Dipsacaceae mit 270 Arten sind als mittelgroße Angiospermenfamilien aufzufassen. Die Adoxaceae enthalten nur wenige Arten, darunter die in mitteleuropäischen Laubwäldern verbreitete, frühblühende Adoxa moschatellina (Moschuskraut). Die Caprifoliaceae sind die wohl ursprünglichste Familie der Ordnung; die Valerianaceae lassen sich von ihnen direkt ableiten. Die Dipsacaceae stehen diesen beiden Familien weniger nahe, doch scheinen alle die gleichen Vorfahren gehabt zu haben. Insgesamt stehen die Dipsacales den Rubiales recht nahe, bei ihnen sind aber die für jene typischen Nebenblätter entweder stark reduziert, fehlen ganz oder treten sekundär (?) wieder in Erscheinung.

Caprifoliaceae: Zu den Caprifoliaceae oder Geißblattgewächsen gehören Sträucher mit radiärsymmetrischen Blüten, beispielsweise Sambucus nigra (Holunder) und Viburnum lantana (Schneeball) sowie solche mit zygomorphen, zum Beispiel verschiedene Lonicera-(Geißblatt-) Arten. Die Familie ist vornehmlich in der nördlichen Hemisphäre verbreitet.

Valerianaceae: Die Valerianaceae oder Baldriangewächse umfassen Kräuter und Stauden. Die gegenständigen Blätter sind einfach oder gefiedert. Die kleinen, meist stark reduzierten Blüten stehen in rispigen Trugdolden. Sie sind zwittrig oder eingeschlechtig, meist leicht zygomorph. Als bekannteste Gattungen wären Valerianella (Feldsalat) und Valeriana (Baldrian) zu nennen. Valeriana dioica, der Kleine Baldrian, ist zweihäusig, Valeriana officinalis (n = 7, 14, 28), der Gemeine Baldrian, hat zwittrige Blüten. Aus seinen Wurzeln (und denen verwandter Arten) wird das ätherische Baldrianöl gewonnen, dessen Wirkstoffe (Valepotriat-Derivate) beruhigende Wirkung haben.

Dipsacaceae: Die Dipsacaceae oder Kardengewächse sind wieder Kräuter und Stauden mit gegenständigen, am Grunde miteinander verwachsenen Blättern. Die Blüten stehen in Köpfchen oder Ähren, die von einer Hochblatthülle umgeben sind. Manchmal sind an den Blüten Tragblätter (=Spreublätter) vorhanden. Unter dem borstenförmigen Kelch ist oft ein häutiger, schüsselförmiger Außenkelch ausgebildet. Die verwandtschaftlichen Beziehungen der Gattungen sind von F. EHRENDORFER (Botanisches Institut der Universität Wien) im Detail studiert worden. Zur Klärung der Beziehungen wurden die Differenzierung der Tragblätter (soweit vorhanden), die der Früchte (mit Außen- und Innenkelch), sowie die Lebensweise (einjährige Kräuter, mehrjährige Stauden) und die Chromosomenzahlen ausgewertet. Die Familie ist in Europa, Asien und Afrika verbreitet, der Verbreitungsschwerpunkt liegt im Mittelmeerraum.

BLÜTENDIAGRAMME: Dipsacus pilosus (Dipsacaceae) - Sambucus (Caprifoliaceae)

© S. LIEDE


© Peter v. Sengbusch - b-online@botanik.uni-hamburg.de