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Geraniales


Von den sechs Familien der Geraniales sind die Oxalidaceae, die Balsaminaceae, die Geraniaceae und die Tropaeolaceae hervorzuheben. Die beiden erstgenannten stehen einander verwandtschaftlich sehr nahe. Die Geraniaceae und die Gattung Oxalis sind zwar klar voneinander getrennt, doch bei zahlreichen kleineren Gattungen ist nicht immer sicher zu entscheiden, welcher Familie man sie zuordnen soll. Die Balsaminaceae stehen etwas abseits, und es gibt Autoren, die sie lieber in der Nähe der hier nicht besprochenen Ordnung Polygalanales sehen würden. Fast alle Arten (2600) sind krautig; die meisten sind mehrjährige Stauden.

Oxalidaceae: Kräuter und Stauden mit dreizählig gefingerten Blättern und einem hohen Oxalatgehalt, daher auch Sauerklee genannt. Die Blüten sind fünfzählig. Die zehn Stamina sind in zwei Kreisen angeordnet. Ihre Filamente sind am Grunde miteinander verwachsen. Der Fruchtknoten ist oberständig, die Frucht eine Kapsel. Die bei uns häufigste Art ist die am Boden unserer Laub- und Nadelwälder verbreitete Oxalis acetosella. Unter ungünstigen Wetterbedingungen ist sie kleistogam, d.h., ihre Blüten werden, ohne sich zu öffnen, selbstbestäubt. Andererseits gibt es bei den Oxalidaceae auch Arten mit Di- und mit Tristylie, die eine Fremdbefruchtung damit geradezu erzwingen. Das Hauptverbreitungsgebiet der Familie (über 100 Arten) ist der Mittelmeerraum und das tropische Asien und Afrika.

OXALIDALES sensu APG

Geraniaceae: Die Geraniaceen oder Storchschnabelgewächse sind fast immer Kräuter und Stauden, selten Sträucher. Die mit Stipeln versehenen Blätter stehen meist gegenständig. Die fünfzähligen Blüten sind radiär, die Fruchtblätter schnabelartig verlängert. Repräsentative Gattungen sind Geranium (Storchschnabel) und Erodium (Reiherschnabel). Die Erodiumblätter sind im Gegensatz zu den Geraniumblättern nicht handförmig unterteilt, sondern gefiedert, und von den zehn Stamina sind nur fünf fertil. Das Hauptverbreitungsgebiet der Geraniaceae sind die gemäßigten und subtropischen Zonen. Die in Gärten angepflanzten Geranien sind Arten derüberwiegend aus Südafrika stammenden Gattung Pelargonium. Die Mehrzahl der Kultursorten sind Hybriden, die bekanntesten sind aus Kreuzungen zwischen Pelargonium zonale und Pelargonium inquinans hervorgegangen. Die Blätter sind oft in regelmäßigen Mustern panaschiert. Pelargonien enthalten aromatische Öle.

Tropaeolaceae: Der wohl bekannteste Vertreter der Tropaeolaceae ist Tropaeolum majus, die Kapuzinerkresse mit schildförmigen Blättern und großen, zygomorphen, orange bis roten Blüten. Ein am Grunde nektarhaltiger Sporn ist zum Teil einem der fünf freien Sepalen homolog. Die Zygomorphie der Sepalen ist damit deutlicher als die der Petalen ausgeprägt. Die Familie stammt aus Mittel- und Südamerika, mit Schwerpunkt in Mexiko und Zentralchile. Die Mehrzahl der Arten sind sukkulente, senfölhaltige Kräuter.

Tropaeolum majus


Balsaminaceae: Die Balsaminaceae sind Kräuter mit saftigen, oft glasig durchscheinenden, an den Knoten verdickten Stengeln. Die Blüten sind zygomorph. Der Kelch ist durch Ausfall der beiden vorderen Kelchblätter dreiblättrig, das hintere Kelchblatt ist gespornt und blütenblattartig. Die Zahl der Blütenkronblätter beträgt fünf. Sie sind paarweise miteinander verbunden. Die Blüten vieler Arten sind dimorph, zum Teil sind sie klein, fertil und kleistogam, zum Teil groß und weitgehend steril.

Impatiens platyphyllum, eine endemische Art vom Kinabalu auf Borneo


Die Frucht ist eine Kapsel, die bei Berührung aufspringt ("Rühr mich nicht an"); die Samen werden durch einen Schleudermechanismus verbreitet. Die bekannteste mitteleuropäische Art ist Impatiens noli-tangere. Impatiens parviflora ist aus Asien eingewandert. Auf Ruderalstellen breitet sich in zunehmendem Maße die purpurn blühende Impatiens glandulifera aus. Das Vorhandensein des Sporns wird als Argument für die Verwandtschaft der Balsaminaceae mit den Tropaeolaceae genannt. Als Einwand dagegen mag die Feststellung stehen, daß der Sporn der Balsaminaceenblüten ausschließlich mit einem umgewandelten Kelchblatt homologisierbar ist, während bei dem der Tropaeolaceenblüten auch Rezeptakulumgewebe mit einbezogen ist.


© Peter v. Sengbusch - b-online@botanik.uni-hamburg.de